Digitale Initiativen drängen in jeden Jahresplan: IT, Marketing, Vertrieb, Produktentwicklung – alle wollen investieren. Die Herausforderung ist nicht nur, gute Ideen zu finden, sondern sie so zu priorisieren, dass Budget und erwarteter Impact übereinstimmen. Ich habe dafür ein einfaches Entscheidungs-Canvas entwickelt, das pragmatisch, schnell und transparent ist. In diesem Artikel erkläre ich, wie es funktioniert, wie Sie es mit Ihrem Team einsetzen und welche Fehler Sie vermeiden sollten.
Warum ein Entscheidungs-Canvas statt langer Business Cases?
Ich sehe zwei Probleme mit klassischen Business Cases: Sie brauchen Zeit und oft falsche Annahmen, und sie werden genutzt, um bereits getroffene Entscheidungen zu rechtfertigen. Ein Entscheidungs-Canvas ist schlanker, fokussiert auf die wichtigsten Kriterien und macht die Priorisierung sichtbar. Das hilft, Diskussionen zu objektivieren und Ressourcen effizienter zu verteilen.
Die vier Felder des Canvas
Mein Canvas besteht aus vier klaren Feldern, die in wenigen Minuten ausgefüllt werden können:
Jedes Feld wird auf einer Skala von 1–5 bewertet. So entsteht ein kompakter Überblick, den Sie mit anderen Projekten vergleichen können.
So füllen Sie das Canvas aus (praktischer Ablauf)
Ich empfehle folgenden Prozess, der sich in mehreren Unternehmen bewährt hat:
Die Gewichtung: Mehr als nur addieren
Ein häufiger Fehler ist die einfache Addition der Werte. Ich arbeite lieber mit einer gewichteten Summe, weil nicht jeder Faktor gleich wichtig ist. Ein mögliches Gewichtungsmodell:
Beispielrechnung: Ein Projekt erhält Impact 4, Effort 3, Risiko 2, Passung 5. Nach Gewichtung ergibt das einen Gesamtwert, der Projekte vergleichbar macht. Dokumentieren Sie die Gewichtung – sie ist eine Governance-Entscheidung.
Ein einfaches Canvas-Template (als Tabelle)
| Feld | Beschreibung | Skala (1–5) | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Impact | Direkter Nutzen für Umsatz/Kosten/Kunden | 1=gering ... 5=sehr hoch | 4 – erwartet +10% Umsatz in 12 Monaten |
| Effort / Kosten | Benötigte Zeit, Budget, FTE | 1=sehr hoch ... 5=sehr gering | 3 – mittlerer Entwicklungsaufwand |
| Risiko / Unsicherheit | Technologie, Markt, Regulatorik | 1=sehr hoch ... 5=sehr gering | 2 – neue Technologie, wenig Erfahrung |
| Strategische Passung | Alignment mit Zielen & Roadmap | 1=wenig ... 5=perfekt | 5 – Kerninitiative für 2026 |
Praktische Beispiele aus der Realität
Ich habe das Canvas mehrfach mit Führungsteams eingesetzt. Ein Beispiel: Ein großer Handelskonzern hatte gleichzeitig drei Initiativen — eine CRM-Migration, einen Chatbot für den Kundenservice und ein A/B-Testing-Programm für den Online-Shop. Nach Canvas-Bewertung zeigte sich: Der Chatbot hatte schnellen ROI und geringes Risiko (gute Anbieter wie Zendesk/Intercom vorhanden), die CRM-Migration hatte hohen strategischen Wert, aber sehr hohen Aufwand. Das A/B-Testing erzielte mittleren Impact bei geringem Aufwand. Die Entscheidung: A/B-Testing priorisieren (schneller Impact), parallel Chatbot-Pilot starten, CRM-Migration phasenweise finanzieren.
Tipps für aussagekräftige Bewertungen
Stakeholder einbinden — so vermeide ich politische Prioritäten
Priorisierung wird oft politisch verzerrt. Meine Erfahrung: Transparenz heilt viele Wunden. Laden Sie alle relevanten Stakeholder zur Bewertungsrunde ein, dokumentieren Sie die Scores und veröffentlichen Sie eine Prioritätenliste. Wenn Sponsor X ein Projekt "hochpriorisiert" haben will, aber Canvas-Score niedrig ist, wird die Diskussion sachlicher — und man kann Alternativen (Pilot, MVP) vorschlagen.
Tools und Templates
Sie brauchen kein teures Tool. Ein Google-Sheet oder Excel reicht für erste Runden. Für skalierte Prozesse eignen sich Kanban-Tools wie Jira oder Asana, ergänzt durch ein kleines Dashboard in Power BI oder Google Data Studio. Wer schnelle Prototypen will, kann auf Miro oder Mural ein visuelles Canvas legen. Wenn Sie bereits mit Tools wie Aha! arbeiten, lässt sich das Canvas als Custom Field integrieren.
Häufige Fehler und wie ich sie vermeide
Mit einem einfachen Entscheidungs-Canvas schaffen Sie eine gemeinsame Sprache für Prioritätensetzung, reduzieren politische Verzerrungen und bringen Budget und erwarteten Impact besser in Einklang. Wenn Sie möchten, stelle ich Ihnen gerne ein druckbares Template oder ein Google-Sheet zur Verfügung, das Sie sofort einsetzen können.