Die Berücksichtigung von CO₂-Kosten in Produktpreisen ist für viele Unternehmen mittlerweile keine Frage mehr von Moral allein, sondern von Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz. Als Beraterin erlebe ich häufig die Sorge: Wie setze ich einen CO₂-Preis, ohne Kunden zu verlieren? In diesem Artikel beschreibe ich meinen pragmatischen Ansatz – von der Erfassung der Emissionen bis zur Kommunikation der Preisänderung – und gebe konkrete Hebel, die sofort einsetzbar sind.
Warum ein CO₂-Preis im Produktpreis sinnvoll ist
Ein interner CO₂-Preis hilft, True Costs sichtbar zu machen und Investitionen in Emissionsreduktion zu priorisieren. Ohne ihn bleibt Klimarisiko verborgen: steigende regulatorische Kosten (z. B. Ausweitung des EU-ETS), volatile Rohstoffpreise oder Lieferstörungen können Margen schnell unter Druck setzen. Ich empfehle deshalb, einen CO₂-Preis nicht als reinen Kostenaufschlag zu betrachten, sondern als strategisches Steuerungselement.
Schritt 1: Saubere Basisdaten – Carbon Accounting
Die Grundlage ist verlässlich quantifizierte Emissionen entlang der Wertschöpfungskette (Scope 1–3). Das ist oft mühsam, aber unverzichtbar. Ich folge dabei drei pragmatischen Regeln:
Praktisch empfehle ich Tools wie Sphera, Carbon Trusts Berechnungstools oder einfache Excel-Modelle für den Einstieg. Viele Lieferanten liefern inzwischen CO₂-Daten auf Anfrage – fragen kostet nichts, bringt aber oft Überraschungen.
Schritt 2: Den richtigen CO₂-Preis wählen
Es gibt mehrere Ansätze:
Ich rate meistens zu einem gestaffelten Shadow Price: ein moderater Anfangspreis, der jährlich ansteigt und so Investitionsentscheidungen sowie Produktpreisplanung lenkt. Beispiel: Heute 60 €/t, in fünf Jahren 120 €/t – das schafft Planbarkeit für Produktentwicklung und Einkauf.
Schritt 3: Preismodell-Design – so gehts ohne Kundenverlust
Den CO₂-Anteil 1:1 auf den Endpreis aufschlagen kann riskant sein. Erfolgsfaktoren, die ich in Kundenprojekten nutze:
Beispiel: Ein Möbelhersteller kann einen kleinen Aufpreis für CO₂-kompensierte Lieferung erheben oder eine Variante mit FSC-Holz und geringerer Emission anbieten – ähnlich wie IKEA mit einigen nachhaltigen Produktlinien.
Schritt 4: Maßnahmen zur Senkung der CO₂-Kosten entlang der Wertschöpfung
Ein CO₂-Preis wirkt am besten, wenn er mit Maßnahmen zur Emissionsreduktion gekoppelt ist:
Ich messe Erfolge nicht nur in reduzierten Emissionen, sondern in der Veränderung der Kostenstruktur: niedrigere variable Kosten, geringere Volatilität und bessere Verhandlungspositionen.
Kommunikation: Wie erkläre ich den Preisaufschlag?
Transparenz ist zentral. Meine Praxisempfehlungen:
Gute Beispiele kommen aus der Praxis: Patagonia kommuniziert transparent über Lieferkette und Herstellungsbedingungen; bei Tesla ist CO₂-argumentation Teil des Markenversprechens. Solche Vorbilder zeigen, dass Authentizität und Handlung wichtiger sind als ein perfekter Aufschlag.
Risiken und Gegenmaßnahmen
| Risiko | Gegenmaßnahme |
|---|---|
| Preissensibilität der Kunden | Segmentierung, einfache Basisoptionen, Value-Argumentation |
| Wettbewerbsdruck | Kommunikation von Differenzierungsfaktoren, Fokus auf Effizienz und Kostenreduktion |
| Fehlende Datenqualität | Iterative Datenverbesserung, Fokus auf Hotspots |
| Greenwashing-Vorwürfe | Transparente Methodik, externe Zertifizierungen (z. B. PAS 2060), unabhängige Audits |
Messung und Monitoring
Ein CO₂-Preis ist kein einmaliges Projekt, sondern ein Steuerungsinstrument. Ich empfehle KPIs wie:
Regelmäßige Reviews (halbjährlich) helfen, Preisstrategie, Einkauf und Produktportfolio abzustimmen. So kannst du bspw. feststellen, ob ein CO₂-Aufschlag zu Absatzrückgängen führte oder ob Upsell-Strategien greifen.
Praxisbeispiel: Einfache Umsetzung für ein mittelständisches Produktunternehmen
In einem meiner Projekte führte ich folgenden, pragmatischen Fahrplan ein:
Ergebnis nach 18 Monaten: Steigerung der Marge bei der Premiumversion, klare Nachfrage für klimafreundliche Optionen und erste Einsparungen durch Lieferantenwechsel und Materialoptimierung.
Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen ein kurzes Template für die Berechnung des CO₂-Anteils im Produktpreis sowie eine Kommunikations-Checklist zur Verfügung stellen. Das hilft, den Prozess pragmatisch und kundenorientiert umzusetzen.