Lead-Scoring ist für mich eines der effektivsten Hebel, um Marketing- und Vertriebsressourcen zu fokussieren. In vielen Unternehmen landen zu viele uninteressante Leads im Vertrieb – Zeitverschwendung, Frust und verpasste Chancen. Ich zeige Ihnen, wie ich in HubSpot ein Lead‑Scoring aufbaue, das nur hochqualifizierte Leads an den Vertrieb übergibt, und welche Schritte, Regeln und Praxisfallen Sie beachten sollten.
Mein Ausgangspunkt: Zieldefinition und Einigung mit dem Vertrieb
Bevor ich technische Regeln in HubSpot anlege, setze ich mich mit Vertrieb und Customer Success zusammen. Das erste, was ich kläre:
Ohne solche Vereinbarungen funktioniert kein Scoring zuverlässig. Deshalb lege ich konkrete Übergabekriterien fest – nicht vage Formulierungen.
Datenquellen und Properties, die ich nutze
Lead‑Scoring lebt von Daten. In HubSpot arbeite ich meist mit diesen Property-Typen:
Wichtig ist, dass die Datenqualität gesichert ist: Bereinigen Sie Duplikate, standardisieren Sie Jobtitel und setzen Sie Pflichtfelder bei Formularen ein.
Explizites vs. Implizites Scoring: Meine Struktur
Ich unterscheide klar:
In HubSpot lege ich zwei Bereiche an und kombiniere sie zu einem Gesamt-Score. So kann ein Lead z.B. hohe Aktivität (implizit) aber schlechte Passform (explizit) haben – was erfordert, dass Marketing weiter bearbeitet statt zu übergeben.
Konkrete Score-Regeln – Beispiele, die ich oft einsetze
Hier einige bewährte Gewichtungen (als Ausgangspunkt; kalibrieren Sie durch Tests):
| Kriterium | Punkte | Typ |
| Jobtitel enthält "CEO|CTO|Head|Director" | +20 | Explizit |
| Unternehmensgrösse > 200 MA | +15 | Explizit |
| Branche = Zielbranche | +10 | Explizit |
| Seitenaufruf: Preis- oder Produktseite | +12 | Implizit |
| Download Whitepaper (Conversion-Funnel) | +8 | Implizit |
| Teilnahme Webinar | +18 | Implizit |
| E‑Mail geöffnet innerhalb 7 Tagen | +3 | Implizit |
| E‑Mail unengagiert (3x uninteressant) | -10 | Implizit |
| Bounce / AVG Email invalid | -50 | Hard Negative |
Diese Werte sind nicht in Stein gemeisselt. Ich beginne mit konservativen Punkten und kalibriere nach realen Conversion-Daten.
Handoff‑Schwelle und SLA mit dem Vertrieb
Ein klarer Quality Threshold ist zentral. Ich definiere z.B.: Lead wird MQL bei Score ≥ 50. Außerdem vereinbare ich ein SLA:
HubSpot‑Workflows automatisieren die Übergabe – z.B. Lifecycle Stage auf "MQL" setzen, Owner zuweisen und interne Benachrichtigung absetzen.
Workflows und Automatisierung in HubSpot
In HubSpot nutze ich drei Arten von Workflows:
Wichtig: Scores sollten zeitlich ablaufen. Aktivitäten, die >6–12 Monate alt sind, verlieren Punkte. Das verhindert, dass alte Aktivität Leads dauerhaft “hochbewertet”.
Testing, Monitoring und Kalibrierung
Ein Scoring ist nie fertig. Ich messe kontinuierlich:
Wenn Conversionraten der MQLs schlecht sind, prüfe ich:
Ich führe A/B‑Tests durch: Zwei verschiedene Score‑Modelle für Teilmengen von Leads und vergleiche die Vertriebsperformance über 8–12 Wochen.
Reporting: Welche Dashboards ich einrichte
Für Transparenz baue ich in HubSpot drei Dashboards:
Diese Kennzahlen zeigen schnell, ob das Scoring brauchbare Leads erzeugt oder ob Prozess-/Datenprobleme vorliegen.
Häufige Fehler, die ich vermeide
Ich setze auf klare, wartbare Regeln, dokumentiere alles in einem Scoring‑Handbuch und halte regelmäßige Alignment‑Meetings.
Praxis-Tipp: Start small und iterativ
Mein Vorgehen ist pragmatisch: Ich starte mit wenigen, starken Kriterien (3–5 explizite und 3–5 implizite Signale), messe, lerne und erweitere. So vermeide ich Overengineering und stelle sicher, dass jedes zusätzliche Kriterium echten Mehrwert bringt.
Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen eine Checkliste schicken mit den gängigen HubSpot‑Properties, vorformulierten Workflows und einem Excel‑Template zur Kalibrierung der Scores. Damit sparen Sie Zeit bei der Umsetzung und betreiben ein Scoring, das wirklich nur verkaufsreife Leads an den Vertrieb übergibt.